S013 Sport Held

Spielbericht der Herren 2

Spiel vom 2019-03-24, 17:30

HC Wernau : HSG Ebersbach/Bünzwangen 2      23 : 24

Soll ich? ... oder soll ich?

Dass man nach 60+x Minuten den vierten Sieg in Folge feiern durfte, muss man wohl mit #MehrGlückalsVerstand beschreiben. In einer dramatischen Schlussphase lag man gegen den Tabellenletzten fünf Sekunden vor Ende noch schmeichelhaft mit 22:23 vorne, kassierte den Ausgleich und bekam durch einen Strafwurf nach Ablauf der Spielzeit doch noch die Chance auf den Sieg.

Zu Beginn sah es allerdings noch nicht danach aus, dass die Partie für Bachleitner am Ende solch ein Wechselbad der Gefühle (!) werden sollte. Wilting düpierte per Heber zum 0:1, Griffith parierte einen Strafwurf und erneut traf Wilting mit einem Heber für seine Farben. Auch wenn Motz sein Visier noch nicht richtig eingestellt zu haben schien – er scheiterte in den ersten zehn Minuten insgesamt vier Mal am gegnerischen Gebälk – war da immer noch Becher, der zwei Abpraller zum 0:3 und 1:4 verwertete. Und als hätte er gewusst, dass seine Kraft noch über die 60 Minuten hinaus benötigt werden würde, ließ Wilting den ersten Strafwurf einfach nur locker-leicht zum 1:5 tropfen. Nach acht Minuten sah so alles nach einer eindeutigen Partie aus. Dann aber begann die HSG mit fahrlässigem Auslassen von Chancen. Nach dem dritten Treffer durch Becher (3:6, 11. Minute) griff Gästecoach Ralf Burkart zur Auszeit. Wernau glich mit vier Treffern in Folge nicht nur aus, sondern ging zum ersten Mal auch selbst in Führung. Ganze neun Minuten blieb die HSG in dieser Phase ohne eigenen Treffer. Dabei spielte man eigentlich gar nicht schlecht und eroberte einige Bälle in der Defensive. Man vertändelte durch technische Fehler nur leichtfertig den Ball im Spiel nach vorne, ließ die ein oder andere Großchance aus und lud die Hausherren gleich zwei Mal fast peinlich durch katastrophale Fehlpässe zu einfachen Treffern ein. Bachleitner hatte genug und bat die Filsbuben zum Rapport. Gleich darauf holte man sich zwar beim 7:8 die Führung wieder zurück, aber der Schlendrian bezog eindeutig gerne auf HSG-Seite Stellung und so ging es bis zum 11:11 ständig eng zu. Das 12:11 des HCW konnte man trotz Überzahl und Strafwurf von Wilting nicht mehr egalisieren und so lag man nicht unverdient zur Pause gegen den Tabellenletzten hinten.

Auch der Start in die zweite Hälfte verleitete den ein oder anderen Zuschauer sicherlich dazu, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Mit wenig Souveränität konnte man den Ball schon in den ersten 30 Sekunden nach einem Fangfehler gerade noch so verteidigen. Als Erben zu einem Strafwurf gegen Wernaus Stephan Schaller antrat, scheiterte auch er am gegnerischen Schlussmann. Auch hier hatte die HSG wieder Glück, denn der Wurf musste wiederholt werden und nun blieb Erben gottlob Sieger. Motz wie immer wuchtig, Kisselmann mit geschätzten 10 Sekunden Airtime, Denzinger in der zweiten Welle, Becher nach Zauberanspiel von Wilting und Engel mit Durchsetzungskraft erarbeiteten der HSG dann einen Vorsprung von drei Toren (14:17, 41. Minute). Doch erneut zückte der Gästetrainer zum richtigen Zeitpunkt die grüne Karte und so kam Wernau wieder zum Ausgleich. Es brach die Schlussviertelstunde an und man konnte bei den einen (HCW) kräftig Aufwind, bei den anderen (HSG) kräftiges Muffensausen feststellen. Die HSG wirkte nach jedem Treffer erleichtert, es lief einfach schon zu viel schief in dieser Partie. Capitano Motz schritt allerdings vorbildlich zum 18:19 heran und auch Becher blieb beim 19:20 erneut vom Kreis Sieger. Kisselmann hatte beim 20:21 mächtig Glück, weil Gästekeeper Oliver Zeeb bei seinem Wurf zwar mit beiden Händen an den Ball kam, die Harzkugel aber dennoch ins Tor trudelte. Groß war der Aufschrei des Heimteams, als deren Buchholz nach unfeiner Aktion gegen Jaenecke das zweite Mal des Feldes verwiesen wurde, aber Engel blieb davon unbeeindruckt und nutzte den Platz sofort auf Außen zum wichtigen 20:22. Bei noch sieben zu spielenden Minuten konnte man meinen, die HSG wäre damit endgültig auf die Siegerstraße eingebogen. Man konnte meinen. Es war dann aber eher ein Satz mit x. Denn vier Minuten vor Schluss glich der Handballclub erneut aus. Hochklassig war hier nichts, aber Spannung konnte man der Partie wahrlich nicht absprechen. Im darauffolgenden Angriff konnte Becher nur regelwidrig am Torwurf gehindert werden und so zeigte der Unparteiische folgerichtig auf den Punkt. Obwohl er bereits in Hälfte eins schon einmal gescheitert war, schritt Wilting zum Punkt. Mit cojones de acero drehte er die Harzkugel zum 22:23. Aber es sollte einfach keine Vorentscheidung geben. Weil man wieder und wieder unclever abschloss, war es der HCW, der in den letzten 30 Sekunden in Ballbesitz war. Youngster Nico Gromer, der seinen Vorderleuten in der zweiten Hälfte das ein oder andere Mal den Hintern rettete, war beim Wurf von Christoph Mühleisen fünf Sekunden vor Schluss machtlos, 23:23. Wernau kam zum nicht unverdienten Ausgleich und man hätte sich schon auf eine Punkteteilung einigen können. Jedoch schickte Gromer gedankenschnell den Ball nach vorne zu Becher, der sich bei noch zwei verbleibenden Sekunden am Mittelpunkt zum Anspiel bereit positioniert hatte. Allerdings wurde Becher von Wernaus Luca Pfeffer am Anspiel gehindert und so wurde der HSG sicherlich glücklich, aber auch regelkonform noch ein Strafwurf nach abgelaufener Spielzeit zugesprochen. Mit einer Lässigkeit, die man seit Tom Cruise in Top Gun vergeblich suchte, schritt Wilting zu Bachleiter. Sein mutiges: „Soll ich? ... oder soll ich?“, quittierte Bachleitner in höchster Eloquenz nur mit einem: „Ähm, ok.“ Wenig verwunderlich ließ sich Wilting auch von den Heinevetter-ähnlichen Allüren des Gästekeepers nicht aus der Fassung bringen und verwandelte nervenstark.

Bekanntlich kackt die Ente eben hinten. Und manchmal sogar ganz hinten.

Es spielten:
Griffith, Fischer, Gromer; Denzinger (1), Kisselmann (3), Wilting (5/3), Engel (2), Jaenecke (1), Becher (6), Motz (2), Erben (3/1), Huber, Mauch (1), Policano.