Spielbericht der Herren 2

Spiel vom 2018-12-01, 17:30

HSG Ebersbach/Bünzwangen 2 : SG Esslingen      26 : 21

Lazarett mit Kampf-Sieg

Mit einem unfassbar wichtigen Sieg gegen die SG Esslingen beendet die HSG die Serie von sechs „4-Punkte-Spielen“ in Folge. Nachdem die Personalsituation schon vor Beginn aufgrund privater Termine, Krankheit und Verletzungen als angespannt bezeichnet werden konnte, reihten sich nach den 60 Minuten sogar noch zwei weitere Leistungsträger in die Schlange ein. Umso wichtiger war die Einstellung, welche Bachleitners Schützlinge an den Tag legten und die letztendlich ausschlaggebend für die zwei Punkte war.

Wahrlich, hochklassig ist sicherlich nicht die Beschreibung, die man für das Aufeinandertreffen der HSG mit der SG aus Esslingen wählen würde. Denn viel eher beherrschten Angriffskrampf und Abwehrkampf das Geschehen. Den Anfang jedoch besorgte Erben lehrbuchmäßig aus dem Rückraum und auch das 3:2 vom Punkt ließ er sich gutschreiben. Aber schon kurz darauf musste der Jungfuchs aufgeben, nachdem er sich in einem Zweikampf eine schmerzhafte Oberschenkelverletzung zuzog. Bei den Gästen war es dann Philipp Weinmann, der seine Farben ins Spiel brachte und mit zwei schimmligen Rückraumwürfen die erste Führung für die SGE besorgte. Und weil es einzig an der Chancenverwertung der HSG lag, dass man die eigene Führung nicht behaupten konnte, Deuschle und Mauch von den Außenpositionen sowie Policano von KM scheiterten am gegnerischen Schlussmann, zog Bachleitner nach dem 4:5 in der elften Minute die grüne Karte. Janietz und der nun erfolgreiche Policano eroberten die Führung zurück und Mauch besorgte mit einem Wurf durch die Hosenträger die erste Zwei-Tore-Führung des Spiels (8:6, 19. Minute). Es war eine durchaus enge Partie, in der offensichtlich die Defensivreihen mit deren Schlussmännern dominierten. Dass dies aber viel eher an misslungenen Angriffsaktionen als an gelungen Abwehraktionen lag, darf man wohl dem Prädikat „Kreisliga“ zuschreiben. Zu allem Überfluss behauptete Deuschle nach einem missglückten Angriffsversuch in der 20. Minute zwar den Ball, verdrehte sich bei der Aktion aber das Knie und zog so das nächste Ticket für das HSG-Lazarett. Die Reihen lichteten sich auf der Bank der Ebersbacher erneut um einen wichtigen Spieler und die Optionen von Bachleitner schrumpften weiter, lediglich acht Feldspieler blieben noch. Der Plan, das Spiel über das Tempo zu entscheiden, war damit vorerst dahin. Es war aber weiterhin das aufopferungsvolle Auftreten der Mannschaft und der Kampf des Heimteams, die den Unterschied machen sollten. Rösel im HSG-Gehäuse verbuchte erst eine Parade gegen Esslingens Weinmann und im darauffolgenden Angriff blieb er auch bei einem Wurf über RA Sieger. Der nun für Deuschle agierende Denzinger scheiterte nach einer Einzelaktion am gegnerischen Gebälk. Die beiden folgenden Angriffe, bei denen Adelmann auf RM immer wieder klug dieselben Spielzüge anleitete, gestaltete Denzinger aber erfolgreicher. Erst traf er zur 9:8-Führung, dann zum 10:9 (27. Minute). Beim 13:10, zwischendurch zeigten sich Stähle und Adelmann erfolgreich, setzte er dann Policano aufopferungsvoll in Szene. Dieser ließ sich nicht zwei Mal bitten und erhöhte zum ersten Mal auf plus drei für die Hausherren. Die HSG präsentierte sich auf Kurs. Wichtig war dabei vor allen Dingen die Einstellung, die viel zitierte „Galligkeit“, welche beim Spiel gegen Hegensberg noch so schmerzlich vermisst wurde. Bis zur Halbzeit hatte zwar Rösel noch ein weiteres Mal gegen Weinmann das Nachsehen, beim 13:11-Halbzeitstand hatte jedoch niemand von Bachleitners Truppe Zweifel daran, dass man den Gegner in diesem Spiel am Ende würde in die Schranken weisen können.

Erfolgreicher in die zweite Hälfte startete aber der Gegner in Person von, natürlich, Weinmann. Nach dem Ausgleich war es aber die Erfahrung von Adelmann, welche die HSG wieder in die Spur brachte. Das 14:13 erzielte er noch selbst, beim 15:14 setzte er den an den Kreis eingelaufenen Kisselmann in Szene. Beim 16:14 (37. Minute) luchste er dem Gegner gedankenschnell die Harzkugel ab und vollendete den Konter unter Jubel seines Teams. Der Mangel an Wechselmöglichkeiten nagte aber sichtlich an den Filsbuben. Diese mussten das Tempo bereits zu diesem frühen Zeitpunkt merklich verschleppen, um mit ihren Kräften haushalten zu können. Als Capitano Motz dann auch noch vom insgesamt souverän leitenden Unparteiischen Jochen Fischer auf die Strafbank beordert wurde, mussten seine Mannen in der Abwehr sprichwörtlich noch näher zusammenrücken. Weil dann aber ebenfalls der Gegner dezimiert wurde, überstand man auch diese Phase nahezu schadlos. Janietz und Stähle behaupteten beim 17:15 beziehungsweise 18:16 die knappe Führung. Es war auch in der zweiten Hälfte kein schönes Spiel, aber an Spannung fehlte es nicht.

In der 40. Minute durfte sich dann Janietz nach einer Zeitstrafe auf der Bank ausruhen. Aber erneut wurden auch die Gäste kurz darauf dezimiert. Weil es hauptsächlich der Mittelblock der HSG war, der Unterstützung benötigte, streifte sich Bachleitner kurzerhand selbst ein Trikot über und half im Defensivzentrum aus. Keine 30 Sekunden später fand er sich aber schon wieder in der Coachingzone ein. Dann fasste sich Kisselmann in Unterzahl ein Herz, schraubte sich aus dem Rückraum nach oben und traf sehenswert zum 20:18. Noch waren 15 Minuten zu spielen und es gelang dem Heimteam einfach nicht, sich beruhigend abzusetzen. Weil Rösel drei glücklose Aktionen in Folge hatte, wurde nun Griffith als Schlussmann berufen. Dieser stellte sich dem Gegner gleich mit vollem Antlitz bei einem Konter entgegen und verbuchte somit eine erste wichtige Parade, auch wenn das Spiel zur Behandlung erst einmal unterbrochen werden musste. Jedenfalls legte er in Folge die gleiche Einstellung wie seine Vorderleute an den Tag. Janietz traf aus dem Rückraum erst zum 21:19 und dann zum wichtigen 22:19. Weil Adelmann nun mit kurzer Deckung gegen Esslingens Weinmann beauftragt wurde, war es die Nummer 7 bei den Gästen, Oliver Walter, der Verantwortung übernehmen musste. Aber weil Adelmann beim Tor zum 23:20 ein Foul von Walter auch lautstark kundtat, ging die HSG in Überzahl in die letzten zehn Minuten. Mit seinem vierten Tor traf Policano zum umjubelten 24:20, aber noch war das Spiel nicht entschieden. Kaum zurück auf der Platte traf Walter zum 24:21 und es begannen nervenaufreibende Schlussminuten, die von den Hintermännern auf beiden Seiten dominiert wurden. Beinahe sieben Minuten ohne Tor belegen die vergebenen Angriffsbemühungen beider Teams. 120 Sekunden vor dem Ende war es dann Stähle, der den Sack endgültig zumachte und sich auf der Halblinken zum 25:21 durchtankte. Die Messe war gelesen. Den Schlusspunkt besorgte dann für viele überraschend tatsächlich Bachleitner selbst, weil er von seinen Jungs als Schütze für einen Strafwurf in den letzten Sekunden gefordert wurde. Mit dem 26:21 avancierte er damit tatsächlich zum erfolgreichsten Angreifer der Liga. Seine 100%-Quote - ein Wurf, ein Treffer - kann sich sehen lassen, auch wenn böse Zungen behaupten, er habe den gegnerischen Keeper zuvor bestochen... Die Gebühr für den Einstand und das erste Tor beglich er selbstredend gerne.

Wie wertvoll dieser Sieg tatsächlich ist, verrät ein Blick auf die Tabelle. Zwischen Platz 6 und Platz 12 liegen gerade einmal drei Zähler. Mit 7:11 Punkten belegt die HSG nun den 9. Platz. Im nächsten Spiel gegen den Tabellenführer aus Ostfildern, der die mit Abstand beste Abwehr der Liga stellt, hängen die Trauben jedoch recht hoch. Aber mit einer Einstellung wie in diesem Spiel, könnte die HSG auch dort bestehen.

Es spielten:
Griffith, Rösel; Policano (4), Mauch (1), Bachleitner (1/1), Kisselmann (2), Motz, Erben (2/1), Denzinger (2), Adelmann (4), Deuschle, Stähle (5), Janietz (5).