Keine Panik auf der Titanic, Wasser ist für alle da
- louisamach
- 8. Dez. 2025
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Die HSG-Mädels verpassen es zum vierten Mal in Folge, das Ruder an der entsprechenden Stelle herumzureißen, und müssen sich jetzt mit der harten Realität des Abwärtsstrudels auseinandersetzen. Nach diesem Spiel kann man einzeln lobend erwähnen, dass der Angriff etwas ansehnlicher war (bzw. man nicht konstant wegschauen oder die Augen verdecken musste), die katastrophale Abwehrleistung hat aber ihr Übriges zur vierten Niederlage in Folge beigetragen.
Der Spielbeginn zeigte zunächst ein ausgeglichenes Duell, in dem beide Mannschaften eine ebenbürtige Leistung zeigten. Im Angriff konnten trotz Unsicherheit drei Tore in fast ungestörter Leichtigkeit erzielt werden, und Sabrina Baumann parierte einen Siebenmeter und einige freie Würfe. Ehe die Ebersbacher Abwehr, wie auch schon gegen Denkendorf, immer wieder zu viel Platz für die Kreisläuferin einräumte und grundsätzlich zu schlecht kommunizierte und verschob. So konnten die Gäste aus Eislingen schnell auf 03:06 erhöhen, und das Trainerduo Krapf & Fischer-Roos sah sich zur Auszeit gezwungen. Nach der Auszeit gelang es tatsächlich für einen kurzen Moment, die Abwehr ordentlich zu stellen und im Angriff mit einfachen Wechseln aus der Bewegung Druck und in der Folge auch Tore zu erzielen. Während der eigentlich sichere Siebenmeter von Kathrin Niederberger sich wieder per Knicktreffer aus dem Tor verabschiedete, konnte das wohl symbolisch für das Angriffsspiel der HSG gesehen werden – nicht ganz drin und trotzdem weit von der Wertung entfernt. Vor allem hätte man viele Chancen gehabt, wäre man nur gerade auf die Lücke gelaufen. Jedoch werden in Ebersbach die Ideen wohl anders interpretiert, und man kann erst nach maximaler Schufterei den Torschuss erwägen. So tat man sich dann auch unendlich schwer gegen die löchrige gegnerische Abwehr. Nach 30 Minuten wurden beim Stand von 09:13 die Seiten gewechselt.
Wieder einmal kam man sehr schlecht aus der Halbzeitpause: Der Angriff zu langsam, zu unkreativ, nicht spielfreudig und schon gar nicht spielintelligent, und die Abwehr schlief tief und fest. Ehe man nach knapp sechs gespielten Minuten die halbe rechte Achse auswechseln musste, eine Kopfnuss und zwei Handverletzungen, musste der Rest nun schauen, wie man das Schiff noch schaukelt. Wie schon eindrücklich in James Camerons Klassiker Titanic zu sehen ist, kann man durch Unaufmerksamkeit schnell den einen oder anderen Eisberg übersehen. Während die HSG-Mädels in den zehn Minuten nach der Auszeit ein Tor warfen, schaffte Eislingen neun Treffer und damit jede Menge Verunsicherung bei der noch jungen Mannschaft. Nun, da niemand mehr auf dem Feld stand, der über längere Führungserfahrung verfügt, haben Melanie Aurenz durch Tempo und Nadine Häderle durch Beharrlichkeit geglänzt und konnten drei Tore in Reihe erzielen. Dieser kurze Aufwärtstrend wurde aber durch Eislingen gestoppt und trug zur allgemeinen negativen Stimmung bei. Keine Emotionen, kein Spielwitz und auch keine Freude waren mehr bei den Ebersbacherinnen zu erkennen. Klar auch: Nach vier Spielen mit schlechtem Ausgang, mangelnder Trainingsbeteiligung und Qualität kann das so nicht besser werden.
Nach dem Spiel muss man jetzt nicht nur auf Ursachensuche gehen, sondern auch ganz klar an der Mentalität der Mannschaft arbeiten. Die Kommunikation in der Abwehr muss besser werden und der Angriff ruhiger, andernfalls landet man am Ende doch nur noch im kalten Wasser. Aber eines darf man nicht vergessen: Diese junge Mannschaft hat schon gezeigt, dass sie kämpfen kann und wer kämpft, kann sich jederzeit wieder an die Wasseroberfläche arbeiten. Mit etwas Mut, klaren Worten im Training und ein paar beherzten Aktionen auf dem Feld kann der Kurs schnell wieder in Richtung Sonnendeck drehen. Die Saison ist lang, und wer die Titanic kennt, weiß: Selbst große Schiffe lassen sich umsteuern, man muss nur gemeinsam anpacken (und die Schotten dicht machen).
Es spielten: M. Schiffner, S. Baumann; S. Babschanik (1), J. Wieland, K. Niederberger (5/5), L. Vögl, L. Principe (1), V. Hadyk, L. Mach, M. Aurenz (4), A. Karpischek (2), L. Beutel (3/2), L. Wieland, N. Häderle (1), M. Weiler (4).
