Mit Herz
- vor 6 Tagen
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03.05.2026
M-BK
HSG 2 – HT Uhingen-Holzhausen 2
Ohne vier (Labude nur mit Kindern und Frau in der Halle, Martin und Reimanns Heer bei Konfirmationen, Seipel vermutlich irgendwo beim Zoll abgefangen) starteten die Raichbergritter im letzten Saisonspiel im Derby gegen das bereits als Vize-Meister feststehende HT Uhingen-Holzhausen 2. Mit Argumenten für einen Sieg taten sich beide schwer, hätte an der Tabellensituation jedwedes Ergebnis doch nichts ausrichten können. Die Ritter wollten allerdings weiterhin ungeschlagen in ihrer Burg bleiben, mit einem positiven Punkteverhältnis aus der Saison gehen und sich für die Hinspielniederlage revanchieren. Die Gäste wollten die Vize-Meisterschaft in fremder Halle feiern, altgediente Kräfte mit einem Sieg verabschieden und natürlich die einzige Mannschaft sein, die den Rittern am Raichberg zwei Punkte abknöpfen konnte.
Das Einlaufen – Hand in Hand mit der Damenmannschaft – war zwar noch äußerst erfrischend, jedoch herrschten in der Halle sommerlichste Temperaturen. So stand es in der zehnten Minute den oben genannten Argumenten zufolge nach allerlei Firlefanzerei auch nur 3:3-Unentschieden. Häderle hatte hier gerade glänzend gegen den am Kreis freigespielten Regent aus Uhingen pariert und so es war nicht zuletzt sein Verdienst, dass die Ritter durch Mauch und Karpischek in Folge auf 5:3 (12. Minute) erhöhen konnten. Die vorherrschende Gluthitze führte zu Passungenauigkeiten in beiden Lagern. Der die ganze Zeit über hart in der Defensive ackernde Haidle atmete erleichtert auf, als er nach einer Zeitstrafe in der 13. Minute endlich eine Verschnaufpause verordnet bekam. Trotz erfolgreichem Reck-Konter gelang es den Gästen so in Folge zum 6:6 (Carle, 16. Minute) aufzuschließen. Der Vize-Meister gaigelte eben nicht seinen ersten Debattierwettbewerb. Bis zum 9:9 nach dem ersten Drittel spielten beide Teams mit offenem Visier, erarbeiteten sich Chancen und Konter. Und doch schien eher selten auch etwas zu gelingen. Weil nach Ansicht von Coach Reimann die Hitze in der Halle die älteren Gemüter negativ beeinflusste, bat er zur Auszeit und setze in Folge auf den Nachwuchs. Die Jugend, die Sunny-Boys, die Jungfüchse, die, die ohne Lunge die Halle hoch- und runterwetzen. Und Reimann bewies ein glückliches Händchen. Denn Stahl (mit sehenswertem Spin-Move), Unterkircher („maybe the best right wing in the world“ dieses Mal vom linken Flügel), Becher (ok, den streichen wir hier raus) und dreimal Kälberer (Sprungkranft von hier bis Timbuktu) spielten wie aus einem Guss und meldeten mit einem 6:0-Lauf ihre Ansprüche an. Riegl passte da nicht ins Bild und war wohl einfach schon zu alt, sonst hätte er hier auch seinen zweiten Strafwurf noch ins Tor und nicht nur an den Pfosten gewummert. Zudem brachte die Maßnahme, Uhingen-Routinier Hänel in Manndeckung zu nehmen, zusätzlich Sand in die gegnerischen Angriffsbemühungen. Hänel konnte sich das jedoch nicht gänzlich bieten lassen und durchbrach die Raichbergritter-Adoleszenz mit einem Treffer noch kurz vor der Sirene. Gleichwohl durfte man sich mit einem 15:10 den Pausen(-Eis-)Tee im Derby genüsslich die Kehle runterlaufen lassen.
Aber noch galt es die letzten 30 Minuten in der Saison zu absolvieren und so forderte man in der Kabine das, was seit dem ersten Saisonsieg über Stuttgart im Oktober immer wieder bei den Siegerbildern gezeigt werden sollte: Herz! Und selbiges fasste sich Karpischek wenige Sekunden nach Wiederanpfiff, als er gefühlvoll wie eh und je seinen Heber zum 16:10 anbrachte. Dann wurde Riegl wegen zu beherztem Anfassen früh mit einer Zeitstrafe belegt. Aber trotz Unterzahl fasste auch Mauch sich ein Herz, als er den Ball von der Eckfahne durch die Hosenträger von Uhingens Torhüter Strähle kullerte. Und zurück auf dem Feld fasste sich auch Riegl ein Herz, als er wie ein Leader ersten Ranges erneut Verantwortung beim Siebenmeter übernahm, um auf 18:10 (35. Minute) zu stellen. Spätestens, nachdem Häderle dann auch noch bei einem Durchbruch von Hänel Sieger blieb, musste man ihn einfach ins Herz schließen. Seine Vorderleute dankten es ihm jedenfalls mit der Neun-Tore-Führung beim 19:10 (36. Minute). In den Augen der Raichbergritter spürte man die Lust, man spürte die Freude, man spürte das Herz der Mannschaft!
Weil dies aber auch enorm viel Kraft abverlangte, fehlte beim Abschluss in Folge das Quäntchen Konzentration, sodass es drei weitere Häderle-Paraden und ganze drei Konter benötigte, bis die Ritter ihren Neun-Tore-Vorsprung verteidigen konnten (20:11, 42. Minute). Erneut antwortete Coach Reimann besonnen und ließ wieder die junge Garde ran. Nach einem 3:0-Lauf der Gäste tankte sich By Chan schnellfüßig auf zentraler Position unter dem Jubel seiner Fans zum 21:14 durch und unterbrach deren Zwischenhoch. Riegl legte dann mit einem Gewaltwurf nach, der unhaltbar millimetergenau im Kreuzeck einschlug. Schon lange unterstützten zufriedene HSG-Fans ihre Ritter mit Beifall und Anfeuerungen. Vor allen Dingen Kälberer auf RA fühlte sich dadurch derart motiviert, dass er mit vier weiteren Treffern (sieben insgesamt) bis zum Ende der Partie keinen Zweifel aufkommen ließ, wer an diesem Tage den MVP-Award mit nach Hause nehmen würde. Aber auch Hummels Rückraumkracher zum 25:17 ließ keine Wünsche offen. Herzhaft Auflachen musste man, als Reck im folgenden Angriff aus dem Rückraum hochsprang und von Uhingens Regent im wahrsten Sinne des Wortes wie bei Dirty Dancing hochgehoben wurde. Als wären sie ein Herz und eine Seele wurde Reck gefühlt sekundenlang getragen. Sein Torwurf aus den Armes des Gegners wurde dann aber leider doch noch abgepfiffen. Hätte er mal lieber eine Melone getragen...
Vier Minuten vor dem Ende gönnte Reimann seiner Truppe nicht nur eine Verschnaufpause, er nutzte auch die Gelegenheit das Kollektiv der Ritter dieser Saison zu herzigen. Für einige Zuschauer sorgte „au no a Auszeit bei därra Hitz‘“ jedoch für weniger Verständnis. Griffith-Paraden und Kälberer-Treffer führten die HSG wieder zum alten Neun-Tore-Vorsprung, den Karpischek mit dem letzten Ritter-Treffer zum 28:19 bestätigte. Uhinger Ergebniskosmetik bis zum 28:21 vermochte an dem starken Derby-Sieg Ebersbachs aber nichts mehr zu ändern.
Was spielte diese Truppe nur für eine geile Saison, die am Ende mit Platz 4 belohnt wurde! Am Raichberg gab man zudem nur einen einzigen Punkt ab.
Vielen Dank an alle, die uns unterstützt haben und an uns geglaubt haben! Wir werden auch weiterhin unser Herz für euch auf der Platte lassen!
Raichbergritter:
Im Tor: Häderle, Griffith
Im Feld: Riegl (3/2), Haidle, Karpischek (2), Rohse (1), By Chan (1), Unterkircher (1), Hummel (2), Becher (2), Conrad, Reck (2), Kälberer (7), Stahl (1), Ott (1), Mauch (5).
Offizielle: Reimann, Stahl, Weissinger

