Mut zur Lücke
- vor 5 Tagen
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Es gibt Geschichten, die schreibt nur der Amateurhandball…und wer weiß, vielleicht gehört das Spiel vom Wochenende genau dazu.
Brenzliger hätte die Tabellensituation kaum sein können: Ebersbach und Reichenbach punktgleich, Reichenbach mit einem Fünf-Tore-Polster aus dem Hinspiel. Die Gewinnerinnen mit besten Chancen im Abstiegskampf, die Verliererinnen wohl auf dem falschen Weg.
Und die Ebersbacher Pferdchen? Naja, die springen eben genau so hoch, wie sie müssen. In diesem Fall: zwei Punkte und den direkten Vergleich gesichert. Der Kopf ist aus der Schlinge und vor dieser Leistung unter Druck kann man nur den imaginären Hut ziehen.
Die Ausgangslage war klar: Verlieren verboten. Durch die Konstellation der Liga und das eigene Torverhältnis hätte eine Niederlage mit hoher Wahrscheinlichkeit den Abstieg bedeutet. Druck also? Mehr geht kaum. Aber wie heißt es so schön: Nur unter Druck entstehen Diamanten. Und an diesem Wochenende wurde ordentlich geschliffen.
Der Start ins Spiel verlief allerdings noch alles andere als souverän. Nervös und hektisch agierte die HSG, ließ sich in der Abwehr zu leicht ausspielen und verlor im Angriff immer wieder den Ball durch technische Fehler oder unnötiges Nachfassen. Nach drei gefühlt endlosen Minuten erlöste Julia Wieland die HSG mit dem ersten Treffer, Anna Karpischek legte direkt nach. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, in dem die HSG meist vorlegte und Reichenbach nachzog. Mit dem verwandelten Siebenmeter von Kathrin Niederberger und einer starken Parade von Sabrina Baumann gegen einen gegnerischen Strafwurf schien sich das Momentum langsam zu drehen. Als Anna Karpischek wenig später zur ersten Zwei-Tore-Führung traf, war klar: Heute ist etwas drin. Diesen Vorsprung ließ sich die HSG bis zur Pause nicht mehr nehmen.
Die Halbzeitansprache war entsprechend knapp: Kein Einbruch, Fokus behalten und alles reinwerfen. Und genau das gelang.
Wenn sich 6€ Eintritt jemals gelohnt haben, dann für dieses Spiel. Trotz kleiner Unsicherheiten blieb die HSG stabil und baute den Vorsprung weiter aus. Vor allem Sabrina Baumann erwischte einen absoluten Sahnetag (wobei man bei dieser Leistung fast schon von Butter sprechen muss) und parierte im Laufe des Spiels unglaubliche acht (!!!) Siebenmeter.
Im Angriff lief es nun deutlich runder: Nach 36 Minuten knackte man erstmals die magische Sechs-Tore-Führung. Besonders sehenswert: der Eckball über Julia Wieland auf die frei laufende Marie Frasch, sauber herausgespielt und eiskalt genutzt.
Eigentlich hätte man das Spiel jetzt ruhig herunterspielen können. Aber wer die HSG kennt, weiß: Für 6€ Eintritt gibt’s keine halben Sachen. Also ließ man Reichenbach nochmal zurück ins Spiel kommen. Tor um Tor schmolz der Vorsprung, und plötzlich war auch der direkte Vergleich wieder in Gefahr. Eine Auszeit und kleinere Anpassungen brachten jedoch wieder Struktur ins Spiel. Melanie Aurenz, Mara Weiler und Nadine Häderle übernahmen Verantwortung und stabilisierten die Führung. Doch zehn Minuten vor Schluss war der Vorsprung wieder auf drei Tore geschrumpft und ausgerechnet jetzt musste Anna Karpischek mit einer absolut berechtigten Zeitstrafe vom Feld.
Reichenbach witterte die Chance, doch diesmal hielt die HSG stand. Anna Karpischek und Kathrin Niederberger trafen erneut und stellten auf fünf Tore Differenz. Noch ein Treffer fehlte für den sicheren Klassenerhalt. Reichenbach verkürzte, die Zeit lief runter – noch etwa 30 Sekunden. Ein Tor musste her. In der Abwehr eroberte man den Ball, Laura Principe schaltete am schnellsten, rannte los – gegen die Zeit, für die HSG.
Und traf. Vier Sekunden vor Schluss. 24:18.
Der Rest? Emotionen pur. Tränen, Jubel, Erleichterung. Und aus der Halle schallte es nur noch: DERBYSIEGER, DERBYSIEGER, HEY, HEY!
Ein riesiges Dankeschön an alle Zuschauerinnen und Zuschauer, ihr habt die Halle zum Beben gebracht!
Und ein besonderer Respekt geht an Jugendspieler Mick Kiforiuk, der kurzfristig als Schiedsrichter eingesprungen ist und das Spiel souverän geleitet hat. Hut ab!
Es spielten: C. Findeis, S. Baumann; S. Babschanik (2), J. Wieland (2), K. Niederberger (3/3), L. Principe (3), L. Mach (1), M. Aurenz (2), A. Karpischek (5), L. Beutel (1), L. Wieland, N. Häderle (1), M. Weiler (3), M. Frasch (1).
