Raichbergritter nicht für Profihandball gemacht
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Aktualisiert: vor 24 Stunden
08.02.2026
M-BK
TSV Zizishausen 2 - HSG 2
Hey du! – Wer, ich? – Psssst, nicht so laut! – Wer, ich? – Genaaaaaaau! Hallo, wie wär’s mit einem Spiel in einer Profisporthalle. Beiß‘ schon an. Willst du nicht ein schönes Spiel? Gegen Zizis wär’s doch fein...1
Natürlich waren die Raichbergritter nach der viel zu langen Winterpause nicht abgeneigt und ließen sich vom Schlehmil2aus Zizishausen in eine Profisporthalle entführen. Sporlastic-Arena. Wie das schon klingt. Und riecht. Fast so, als wäre es das alte Theodor-Eisenlohr-Loch in Neckarnähe in Nürtingen. Aber nein! Die Sporlastic-Arena ist was Feines! Mit Schilder in orange! Und mit Werbung auf dem Boden. Profihandballsport eben.
Vielleicht etwas überraschend präsentierte sich die HSG zu Beginn dann gar nicht nervös! Der aus langer Verletzung zurückgekehrte Karpischek rotzte den gut eingeharzten Ball nämlich gleich zur 1:0-Führung in das gegnerische Tor, während Conrad nach Ballgewinn auf 2:0 erhöhte. In Offensive wie Defensive zeigten sich die Ritter durchaus lauffreudig, zudem machte Youngster Häderle im Kasten das ein oder andere Mal den „Wolff“. Völlig verdient hielt man so in der ersten Viertelstunde kontinuierlich eine Zwei-Tore-Führung bis zum 8:6 aus Sicht der Ritter. Fast hätte man übersehen können, dass Labude, welcher eigentlich sein erstes Auswärtsspiel hätte absolvieren wollen, kurzfristig ausfiel. Mit einer Auszeit drängten die Schnaken aus Zizis nun aber auf den Ausgleich. Immer wieder war es dabei Karpischeks böser Zwilling, Steffen Fröhle, der sich für das Heimteam erfolgreich zeigte. Alle seine fünf Treffer erzielte er im ersten Drittel der Partie. Langsam, aber sicher übernahm der in der Profisportstätte mit Werbung im Anspielkreis hausende TSV dann die Initiative. Karpischek, der einzig Wahre, und Becher, der zuverlässigste unter den Zuverlässigen, konnten die Ritter zwar noch bis zur 24. Minute in Führung halten, aber mit drei Treffern in Folge verbuchte Zizis in der 28. Minute beim 12:13 deren erste Führung. Man kann nicht leugnen, dass sich die Ritter vom Raichberg in dieser Phase des Öfteren zu töricht anstellten - nicht nur im Abschluss, auch in der Defensive. Zudem stürmte die Ebersbacher Kavallerie häufig viel zu ungestüm auf dem Profihandballsport-Hallenboden gen feindlichem Heer (nein, nicht der Stefan von Reimanns Heer ist gemeint!). Vier ungeschickte Zeitstrafen, darunter drei für Reck mit damit verbundener Disqualifikation, musste die HSG in der ersten Hälfte wegstecken, während Zizis mit allen Profisporthallenwassern gewaschen straffrei blieb. Aber nicht nur das fehlte den Raichbergrittern zum Profisport. Auch dass die Uhren da einfach anders ticken, war für alle im schwarzen Trikot neu. Dabei hätte man doch damit rechnen können, dass in Profihandballsporthallen mit Werbung im Anspielkreis die erste Halbzeit nicht 30 Minuten dauert, sondern 12 Minuten und 24 Sekunden. Dann macht man nämlich eine Pause und dann sagt man nämlich an, dass man noch 17 Minuten und 36 Sekunden spielt und dann spielt man noch weitere 17 Minuten und 30 Sekunden. Momentchen mal.... Wo bleiben die restlichen 6 Sekunden? – Psssst, nicht so laut! – Wo bleiben die restlichen 6 Sekunden? – Genaaaaaaau. Willst du nicht ein schönes Spiel? ...dann mach‘ einfach früher Pause...
Aufopferungsvoll kämpfend erackerte man sich 55 Sekunden vor der Pause (beziehungsweise 61 Sekunden vor... oder Moment... ach, keine Ahnung...) den 13:13-Ausgleich durch Jens Bechersson. Das nützte aber nichts, denn zwei Unachtsamkeiten später führte der TSV Sportlastic Zizishausen mit 13:15 und alle, Profis wie Amateure, wurden zur „Halbzeit“ einbestellt.
Tatsächlich gelang den Rittern in der zweiten Hälfte, welche übrigens tatsächlich volle 30 Minuten dauerte, auch nicht ein einziges Mal mehr der Ausgleich. Mehrmals war man ganz dicht dran. 17:18 durch Karpischek, der einzig Wahre, in der 38. Minute. 18:19 durch Conrad, der Schnellfüßige, in der 39. Minute. 19:20 durch Ohnewald, der auch mal bei den H1 mittrainiert, in der 45. Minute. Und 20:21 durch Seipel, der im Konter nicht Berührende, in der 47. Minute.
Aber der TSV Sporlastic Zizishausen hatte einen Zimmermann und damit ist nicht ein Handwerker gemeint, wobei die das sicher auch haben, sondern Dennis Zimmermann, der sich im Profihandball bestens auszukennen scheint und das Heimteam einfach verdammt clever anführte. Zudem präsentierte sich Sporlastics Leon Müller auf Außen dergestalt schnell im Konter, dass kein (Seipel-)Kraut gegen ihn gewachsen schien. Die Raichbergritter gaben nicht auf und hielten nach Kräften dagegen, spätestens die doppelte Unterzahl der HSG in der 50. respektive 51. Minute ließ den TSV aber auf die Siegerstraße einbiegen. Die Kräfte schwanden, das lässt sich nicht leugnen, denn auch ein Karpischek in Bestform genügte dann einfach nicht gegen die an diesem Abend cleverer agierenden Schnaken. Stetig erhöhte der TSV seinen Vorsprung.
Dass es am Ende dann aber mit 24:31 gleich eine Niederlage mit sieben Toren werden musste, wird dem Spielverlauf nicht gerecht und fällt sicherlich mit drei, vier Toren zu hoch aus. Damit haben die Ritter nämlich auch den direkten Vergleich gegen die Profis aus Zizis verloren und büßen gleich zwei Plätze auf einmal in der Tabelle ein.
Meine Herren, im Profigeschäft weht einfach ein anderer Wind. Dem sind die Raichbergritter (noch?) nicht gewachsen. Das ist ja auch nicht die Sesamstraße...
HSG:
Im Tor: Griffith, Häderle
Im Feld: Riegl (3), Heer, Ohnewald (2), Martin, Unterkircher, Becher (3), Conrad (3), Reck (1), Seipel (1), Karpischek (8/2), Mauch (3).
Offizielle: Reimann, Stahl, M. Heer
1 vgl. https://urlr.me/Ce7NJX
2 Psssst... Schlehmil, die älteren Leser:innen werden sich vielleicht erinnern, ist der windige Dealer aus der Sesamstraße, der Ernie ein „O“ verkauft. Das habt ihr aber nicht von mir...
