Raichbergritter nicht oben und nicht unten
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08.03.2026
M-BK
HSG 2 – HB Filderstadt
Die Gazetten der Krautreporter können alle ihre vorformulierten Zeitungsschnipsel nicht verwenden. Im Rückspiel gegen die Raichbergritter gab es für die gut 55 Minuten von Ch. Lübeck trainierten Krautboys weder einen einkalkulierten Sieg noch eine gefürchtete Niederlage. 26:26, Remis, Unentschieden hieß es am Ende. Damit rechnete niemand.
Stark spielten die Ritter zu Beginn auf. Keine 45 Sekunden waren vergangen, da bejubelte man den ersten Treffer durch Rohse. Im Gegenzug kassierte Häderle den ersten Siebenmeter ein, nur um dann wenige Augenblicke später den Stoß von Riegls Gleve in den Krauttorso beklatschen zu können. Früh verursachte Mauch auf Außen bereits den zweiten Siebenmeter, wurde obendrein mit einer Zeitstrafe belegt und Krautboy Daniel Aberle nutzte seine Chance. Im Angriff schloss Rohse trotz Unterzahl ab, scheiterte aber am starken Gästekeeper Justin Becker. Becher sicherte sich gedankenschnell jedoch den Abpraller und die HSG blieb in Ballbesitz. Labude zog gleich drei Abwehrspieler auf sich und hatte dann auch noch das Auge für Wühlmaus Becher zum 3:1. Es waren die starken Außen der Gäste, Simon Schaible auf RA und Erik Granicki auf LA beziehungsweise im Konter, die bis zur sechsten Minute den Ausgleich für die Gäste erarbeiteten. In Folge von formidabler Defensivarbeit durch Rohse erreichte man keine zwei Minuten später aber wieder einen Zwei-Tore-Vorsprung beim 5:3. Und wieder waren es Schaible über RA und Granicki via Konter, die den Ausgleich herstellten. Dass die Raichberggefilde „umkämpft“ waren, dürfte wohl die treffendste Beschreibung sein. Conrad bediente Becher zum 6:5, woraufhin Häderle mit der nächsten Parade aufwartete. Krautboy Schaible sah sich nun der identischen Regelauslegung wie Mauch kurz zuvor ausgesetzt: Siebenmeter und Zeitstrafe. Riegl traf vom Punkt. Zwei Minuten später, die HSG lag immer noch zwei Tore in Front, hatte Filderstadts Lübeck Redebedarf. Und die Auszeit war gut platziert, denn die Ritter übertrieben es in dieser Phase förmlich im Angriff, behielten keinen kühlen Kopf, griffen nicht auf Bewährtes zurück. Und die Gäste nutzen dies aus. Sechs Minuten später ging die HBF beim 9:10 - natürlich durch Granicki mit seinem bereits fünften Treffer - zum ersten Mal selbst in Führung. Die stählerne Flügelzange der Ritter um Reck und Hummel gabelten aber wieder den Ausgleich. Das Spiel wogte nun bis zum 13:13 hin und her, beide Teams suchten immer wieder den Weg über Einzelaktionen, anstatt sich über das Kollektiv zwingende Chancen zu erarbeiten. Reimann platzierte daher in der 27. Minute den grünen Karton auf dem Zeitnehmertisch.
20 Sekunden nach Wiederanpfiff unterlief Rohse allerdings ein Fangfehler. Im Gegenzug scheiterte Filderkrauts Granicki dann aber tatsächlich schon zum zweiten Mal in einem Wurf, den Abpraller schnappte sich dennoch Filderstadts Robert Thalwitzer und erstritt dadurch einen Siebenmeter. Häderle ließ Griffith den Vortritt. Und Griffith tentakelte, wie nur ein Griffith tentakelt! Jeder Tiefsee-Oktopus wäre stolz auf sein Pendant im Raichberg-Aquarium! Weil aber Griffiths Tentakel nicht ganz bis zur gegnerischen Freiwurflinie reichten, konnte auch er den nächsten technischen Fehler der HSG nicht verhindern. Gegenzug Krautboys. Führung Krautboys (13:14, 29. Minute). Halbzeitrückstand Raichbergritter.
Nach der Pause schlich sich zwar Reck zu seinem vierten Treffer, aber Karpischek verletzte sich ohne Fremdeinwirkung. Es war ein gebrauchter Tag für das Ritter-Urgestein. Äußerst glücklich durfte sich dann Filderstadts Gerret Gross nach fünf Schritten dennoch in der Torschützenliste verewigen. GG an dieser Stelle nach Krauttown. Es blieb auch in Folge eine spannende Partie, in der es weniger die Rückraumakteure waren, die Akzente setzen. Diese rieben sich zuhauf an den Defensivreihen auf, während die meisten Treffer über die Außen erzielt wurden. Bis zum Ende verzeichneten die Krautboys 14 Tore über LA+RA, die Ritter deren sogar ganze 16 (Conrads und Martins Buden über Umwege eingerechnet). Aber weder wurde das Spiel dadurch unansehnlich, noch fehlte es an Spannung. Die Raichbergritter setzen Reimanns Vorgabe im Defensivverhalten um, störten die Krautboys in frühzeitiger in der Spielgestaltung. Dies kam dem Gegner überhaupt nicht gelegen. Bis zur 44. Minute folgten drei weitere Krautstrafen und weil Häderle (ausgeschlafen wie seit dem „No sleep `til Steißlingen“-Album der Beastie Boys nicht mehr) zudem einen weiteren Siebenmeter einkassierte, gingen die Raichbergritter beim 21:18 mit verdienten +3 in die Schlussviertelstunde. Zudem konnte Filderstadt dabei noch Glück sprechen, dass deren Spielführer Dennis Alber in einer überharten Aktion gegen Conrad nur mit einer Zeitstrafe anstatt einer Disqualifikation belegt wurde. Dennoch hatte der Vorsprung bei Riegls Gleve in Krauttorso numero due beim 22:19 (48. Minute) von der Siebenmeterlinie noch Bestand. Aber die Krautboys wissen eben, wie man Salat anzumachen hat. In deren stärksten Phase zwischen der 49. und 55. Minute glich der Gegner nicht nur aus, drei Tore von deren kroatischem Neuzugang Antonio Markovic brachten die HBF beim 23:24 selbst wieder in Front. Bis hierhin war es ein spannendes Spiel. Großartige Aktionen auf beiden Seiten, tolle Paraden, freundschaftliche Gesten, im Großen und Ganzen ein faires Spiel. Dann folgte die Situation in der 56. Minute, welche einer Investigativ-Journalistin der Krautreporter zufolge nur als „extrem unangenehm für alle“ (Zitat!) beschrieben werden kann. Ohne Not, ohne harte Aktion, ohne Palaver von Spielern montierte Gästetrainer Ch. Lübeck... ja, was eigentlich? Keine Ahnung... irgendwas halt... jedenfalls agierte er derart unflätig, dass er das Ende der Partie von der Tribüne aus verfolgen musste. Gut, wer so spät vor Spielbeginn anreist, darf die Raichberghalle auch gerne mal en detail von der anderen Spielfeldhälfte im Zuschauerbereich begutachten... Dem Lauf seiner Mannschaft setzte er damit jedenfalls ein Ende, denn Häderle strich daraufhin seine Siebenmeterparaden Nummer vier und fünf ein, während durch Hummel, Riegl und Rohse 90 Sekunden vor dem Ende eine 26:25-Führung der Raichbergritter erstritten wurde. Erneutes GG an Krauttown, dass diese bis zur Sirene noch zum nicht unverdienten 26:26-Ausgleich kamen.
Sicherlicht geht die Punkteverteilung unterm Strich in Ordnung, auch wenn sich Reimanns Ritter eigentlich hätten mit einem Sieg belohnen können. Gleichwohl steht die HSG weiterhin auf einem hervorragenden vierten Tabellenplatz, auch wenn Krauttown und Schnakencity mit nur einem Punkt weniger in Habachtstellung auf Ausrutscher der Ritter schielen.
Was schreiben nun die Filder-Zeitungen? Weder Sieg noch Niederlage für die HBF. Vermutlich schreiben sie nichts. Auf ein Unentschieden war man nicht vorbereitet. Ähnlich wie bei der Landtagswahl, auch wenn da „Grün“ beim (fast) Unentschieden leicht vorne lag...
HSG:
Im Tor: Griffith, Häderle
Im Feld: Riegl (4/2), Karpischek, Labude (2), Rohse (2), Unterkircher, Hummel (3), Becher (2), Conrad (3), Reck (7), Kälberer, Martin (1), Mauch (2), Heer
Offizielle: Reimann, Stahl, Weissinger.
